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Unsere Hände erinnern sich

Traumatische Erinnerungen werden in unserem Körper gespeichert. Schwerwiegende Erlebnisse und seelische Verletzungen bleiben in unseren Händen und deren Bewegungen sichtbar. Mit Hilfe der Methode Arbeit am Tonfeld® können entsprechende negative Verhaltensmuster transformiert werden.

Trauma? Bitte nicht schon wieder!

Das griechische Wort Trauma (Wunde/Verletzung)  wird heute in unterschiedlichsten Kontexten beinah inflationär verwendet: ob durch körperliche Verletzungen, Naturgewalten, Krankheiten oder Menschen hervorgerufen. Einigkeit herrscht vermutlich nur darüber: Es geht um schockartige Ereignisse, die sich auch später in Form von körperlichen und emotionalen „Wunden“, sprich Folgestörungen oder Beeinträchtigungen, bemerkbar machen.

Im Körper gespeicherte frühe überwältigende Erfahrungen

Wir richten den Fokus diesmal auf sehr frühe überwältigende Erfahrungen, wie transgenerative, also generationenübergreifende, oder kindliche Entwicklungstraumata. Mögliche Auslöser sind etwa Kriegserlebnisse der Eltern, ein misslungener Versuch eines Schwangerschaftsabbruchs, eine schwierige Geburt, Bindungsprobleme zwischen Kind und Eltern, Vernachlässigung, Verlassenwerden, Missbrauch...

Verteidigung, Flucht oder Freeze?

Wenn Angst, Hilflosigkeit und Kontrollverlust (tatsächlich oder gefühlt) zu überwältigend sind, ist unser Nervensystem darauf ausgelegt, sich um- oder sogar abzuschalten.

 

Der Kampf-Fluchtmodus und zuletzt der Zustand der völligen Aktionslosigkeit – im Englischen auch als Freeze bezeichnet - sind die extremsten Verteidigungsstrategien, die uns dabei zur Verfügung stehen. Bei sehr frühen belastenden Erfahrungen haben wir zumeist nur die Möglichkeit, wie gelähmt zu überleben, weil Flucht oder Kampf noch gar nicht möglich sind.

Anzeichen richtig deuten

Verhaltensauffälligkeiten wie Konzentrationsmangel, diverse Ängste, Unruhezustände oder scheinbare völlige Abwesenheit und Erstarrung können Anzeichen für frühe überwältigende Erfahrungen sein. Unser Nervensystem schaltet automatisch um (ohne, dass wir das bewusst beeinflussen können!).

 

Auslöser können entsprechende Trigger in der Umgebung oder im Kontakt mit anderen Menschen sein. Oft verstehen die betroffenen Menschen nicht, warum sie plötzlich aggressiv werden. Oder alles wie hinter einer Glasscheibe erleben. Oder das Gefühl haben, überhaupt nicht mehr da zu sein. Im Gegenteil, sie schämen sich noch für ihr Verhalten.

Anna kommt zum ersten Mal zu mir in die Tonfeld-Praxis. Die etwa 40-jährige Frau wirkt extrem angespannt. Umständlich, leicht verdreht nimmt sie vor dem Rahmen mit Tonerde Platz. Ihre Hände gleichen überstreckten Krallen eines erschrockenen Tiers. Wie wenn dieses soeben prüfen würde: Angriff, Flucht oder Erstarrung?

Kennst du derartiges? Hast du das auch schon mal erlebt?

Dann ist es zunächst wichtig zu verstehen: Diese Zustände sind normale, natürliche biologische Schutzstrategien.
Und es ist auch wichtig zu wissen: In den letzten Jahren ist sehr viel zu diesem Thema geforscht worden. So bieten etwa die Polyvagal-Theorie von Stephen Porges (z.B. als Polyvagalkreis von Mathias Thiemm anschaulich erklärt) oder die "Map of Recovery" bzw. die Arbeit von Peter Levine sehr aufschlussreiche Hinweise auf unsere zugrundeliegenden Verhaltensmuster und mögliche Lösungsansätze.

Mit Hilfe des Hobermann-Sphere Balls veranschaulicht Peter Levine sehr anschau-lich den Wechsel zwischen verrschiedenen Spannungs-zustände  bei einem Trauma und zeigt, wie wichtig es ist,  langsam und sehr behutsam beim Aufarbeiten vorzugehen.

Körperorientierte Methoden helfen

Und es wurden verschiedene körperorientierte Methoden und Übungen entwickelt, um dir zu helfen, (wieder) ein normales Leben zu führen. Sie unterstützen dich dabei, dein Nervensystem schrittweise zu regulieren. Damit du deine Reaktionen immer besser steuern und der Situation entsprechend reagieren kannst.
Du solltest aber auch wissen, dass der Weg aus der Krise schon ein langer, oft auch beschwerlicher sein kann. Aber die gute Nachricht: Es lohnt auf jeden Fall, sich darauf einzulassen.

 

Denn die dabei gesammelten Erfahrungen erweisen sich später als sehr wertvolle vielgestaltige „Edelsteine“.

Einige  gemeinsame Stunden später hat Anna bereits mehr Vertrauen ins Feld und die Kraft ihrer Hände gefasst. Energisch beginnt sie , den Ton aus dem Feld zu schieben und  Freiraum für sich zu schaffen.

Im Alltag merkt sie das auch daran, das die Atmung freier wird und sie bewusster Grenzen setzen kann.

Je früher du anfängst, desto weniger Schleifen in alten Mustern musst du zurücklegen und später auflösen! Kinder haben hier natürlich einen großen Vorteil, weil der Weg zumeist kürzer ist.

Vereinbare einen Termin und überzeug dich selber!