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Was ist Arbeit am Tonfeld®?

Wie funktioniert diese haptische Methode? Warum ist sie beim Aufarbeiten von "alten" Verhaltensmustern und -Auffälligkeiten so besonders wirksam? Und macht auch noch Spaß?

Bewegung wird Gestalt

Sonne, Meer, Strand. Ich laufe durch den weichen Sand. Meine Füße hinterlassen eine deutliche Spur. Beim langsamen Zurückkommen ist der Fußabdruck deutlich verändert. Nachdenklich drehe ich mich um. Das Mädchen, das mir entgegen kam, hat einen völlig anderen Fußstapfen hinterlassen.

 

Die Art unserer Bewegung formt den Abdruck. Verändern wir die Bewegung, verändert sich auch das, was bleibt.

 

Dieses einfache Prinzip machen wir uns bei der Arbeit am Tonfeld zunutze.

Wie funktioniert das?

Bei dieser Methode arbeitest du mit dem Material Tonerde. Ein unterarmgroßer Holzrahmen gibt dir ein klar definiertes Feld vor. Wenn du den Ton nun anfasst, entsteht im Material ein Abdruck: Ein schnelles, entschlossenes Hineingreifen mit der ganzen Hand hinterlässt dort eine andere Spur als ein zögerliches Hineintippen mit der Fingerspitze.

 

Die Bewegung wird zu einer Form, die zeigt, wie du dich in der Welt verhältst. Durch die Art, wie die Hände das Material berühren, wird sichtbar, wie du dich selbst und deine Welt be-greifst: Bist du jemand, der/die sich gierig nimmt, was er/sie braucht? Nimmst du einfach ohne lang zu überlegen und kannst dann aber keinen Umgang damit finden? Oder agierst du sehr zögerlich und unentschlossen und gehst leer aus?

Fokus auf den händen - warum?

Die Haut als Körpergrenze stellt bereits während unseren frühesten Bewegungen den ersten Kontakt mit „der Welt“ dar, schon im Bauch der Mutter. So erfahren wir uns selbst und unser Rundum zum ersten Mal leiblich. Immer im Austausch und in Resonanz mit unserer Umwelt.

 

Da die Haut im Bereich der Hände besonders sensibel ist, postuliert Heinz Deuser, der Begründer der Methode Arbeit am Tonfeld®: „Der Mensch und seine Bewegungen versammeln sich in den Händen“.

 

Wir berühren mit unseren Händen und werden berührt. Wir zeigen uns mit unseren ganzen Hemmungen und Möglichkeiten durch die Form und die Bewegungen unserer Hände.

Ein menschlicher Bauplan - viele Grundvoraussetzungen

Nicht alle Menschen – Kinder wie Erwachsene – konnten alle Grundvoraussetzungen, wie Urvertrauen oder Gleichgewichtssinn, gut entwickeln. Individuelle Möglichkeiten können eingeschränkt oder blockiert sein: etwa aufgrund von herausfordernden frühen Beziehungsmustern oder schwerwiegenden Ereignissen.

 

Sehr negative Erfahrungen führen zu Veränderungen unseres vegetativen Nervensystems: Wir reagieren mit Anspannung, Herzrasen oder Hechelatmung im Fight- oder Flightmodus. Oder verlieren im sog. Freeze-Modus komplett den Kontakt zur realen Außenwelt und fühlen uns kraft- und energielos.

 

Diese Zustände werden in unserem Körper, und hier speziell auch in unseren Händen, im sogenannten Zellgedächtnis, gespeichert. Ein Trigger, also ein Reiz, der uns (bewusst oder unterbewusst) an irgendeinen Aspekt des ursprünglichen traumatischen Ereignisses erinnert, produziert (bzw. verstärkt) immer wieder alte Spannungszustände.

Die Sprache der Hände verstehen

Als erfahrene Begleiterin sehe ich an der Art, wie sich deine Hände bewegen, in welchem Zustand du dich befindest und was du brauchst:

Berührst du die Oberfläche kaum, würdest aber gern im Hier und Jetzt ankommen? Bist du verärgert und möchtest deine Wut am liebsten im Material abreagieren? Oder bist du rastlos aber völlig erschöpft und willst endlich zur Ruhe kommen?

 

Bei der Arbeit am Tonfeld nütze ich einen Bottom-up-Ansatz. Das heißt, wir arbeiten vor allem auf der wenig bewussten haptisch-kinästhetischen Ebene und erreichen über das Tun auch unsere Gefühlen und Gedanken.  

So ist es möglich, vernachlässigte frühe Entwicklungsschritte nachzuholen. Ja, sogar herausfordernde vorgeburtliche Erfahrungen, wie Abtreibungsversuche oder Geburtskomplikationen zu bearbeiten.

Durch die schrittweise veränderte Bewegung im Kontakt mit dem Material gelingt es immer besser, Spannungszustände auszugleichen, das Nervensystem zu regulieren und die leibliche, emotionale und soziale Basis zu stärken. Zumeist kommt dann erst verstärkt die Sprache ins Spiel und hilft dir, Zustände auch gedanklich besser zu verstehen und zubenennen.

2 Beispiele aus der Tonfeld-praxis

 

Erster Fall - Bedürfnisse sättigen:

 

Die 58-jährige Mia braucht etwas länger bis sie sich auf das Tonfeld verlagern kann. Ihre Hände liegen zunächst wie leere Schälchen auf der Seite.

Dann erkundet sie mit sanft, streichenden Bewegungen das Feld bevor sie beginnt, in der Mitte ein Loch zu graben. Alles erscheint ungemein schwer, bleiern. Im Lauf der Stunde ensteht darin ein kleines Baby "das Kind, das ich nie hatte". Nun kann sie es nehmen und im Arm halten. Ein altes Bedürfnis sättigen.

Dabei wird ihr auch bewusst, dass es in ihrem jetzigen Leben viele "Ersatzkinder" gibt und ihr Alltag eigentlich sehr reich und erfüllt ist.

Zweites Fallbeispiel - Hemmungen überwinden:

 

Der 11-jährigenTamara fällt es generell schwer, sich zu konzentrieren und bei einer Sache zu bleiben. Ihre zögerlich-sprunghafte Art macht sie unsicher und erschwert ihr das schulische Lernen.

Bei der gemeinsamen Arbeit mit mir fällt auf, dass sie dazu neigt, mit dem gesamten Körper zu einer Seite zu kippen. Manchmal scheint sie fast vom Sessel zu fallen. Ihrem Gleichgewichtssinn fehlt die nötige Balance.

Im Lauf des Prozesses lernt sie, sich differenzierter zu bewegen. Ihre Hände und Arme setzt sie zunächst "Jonglierstangen-gleich" und später gut abgestützt ein. Sie balanciert mit Tonkugeln. In jeder Stunde wächst das neue Gleichgewichtsgefühl. So kann sie physisch wie psychisch immer mehr in ihrer Mitte ankommen. Kann sich entspannen und länger bei einer Tätigkeit bleiben. Sie wird selbstbewusster und lernt ihre Chancen gezielter zu ergreifen.

Die wichtigsten Eckdaten nochmals zusammengefasst

Die Arbeit am Tonfeld ist entwicklungsorientiert: Im Fokus steht das individuelle POTENTIAL, nicht das Krankheitsbild - z.B. Autistin, ADHS, Burn-out etc.


Die Arbeit am Tonfeld ist eine phänomenologische Methode, d.h. ich als Begleiterin beobachte, was passiert. Das Verhalten wird von mir wertfrei beschrieben.

 

Als achtsame Begleiterin erkenne ich, wie sich deine Hände bewegen und in welche neue Bewegung sie übergeführt werden könnten.


Ich beobachte: Wie ist die Bewegung organisiert und welches Grundbedürfnis wird dabei angesprochen?

Suchst du Druck und Spannungsabbau? Beziehung? Eine ganz vorsichtige sanfte Berührung? Oder möchtest du dich in deinem Gleichgewicht ausrichten, weil du im Leben häufig die Balance verlierst?


Im individuellen Setting und in Resonanz mit mir als entsprechend ausgebildeter Expertin sammelst du so neue Erfahrungen, die du auch schrittweise in deinen Alltag integrierst Ersttermin.

neugierig geworden?